Der Freiw. Feuerwehr bringt Silvester viel Stress

31.12.2011 13:13

Feuer auf Balkonen, in Fluren, Kellern und Mülleimern: An Silvester ist die Freiwillige Feuerwehr in Hannover besonders gefragt. Mehr als 100 Freiwillige unterstützen jedes Jahr die Kollegen von der Berufsfeuerwehr.


Hannover. Der Silvesterabend hatte ganz gemütlich begonnen. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Linden saßen mit ihren Partnern und Gästen im Gerätehaus in der Teichstraße beisammen, man bediente sich am kalten Büfett, hörte Musik, trank und klönte. Für neun Feuerwehrmänner jedoch endete die Feier schon gegen 23 Uhr. „Die sind auf den Löschwagen gesprungen und verschwunden“, erzählt Horst Knoke, der seine Frau Barbara, damals Bürgermeisterin von Linden-Limmer, zur Feier im Gerätehaus begleitet hatte. Der neunköpfige Bereitschaftsdienst war losgefahren, um einen Papiercontainer zu löschen, den Silvesterböller in Brand gesetzt hatten. Danach ging es Schlag auf Schlag. „Zum Anstoßen um 24 Uhr waren sie wieder alle weg“, erinnert sich Barbara Knoke. Dennoch denkt sie gern an das Silvester vor zwei Jahren zurück. Es habe sie beeindruckt, welchen Einsatz die Freiwillige Feuerwehr ehrenamtlich für die Allgemeinheit leiste.


Es sind selten große Brände oder schwere Unfälle, die die Berufsfeuerwehr und ihre Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr um den Jahreswechsel in Atem halten. „Es ist die Masse der Einsätze“, sagt Feuerwehrsprecher Jan Feichtenschlager. Der unachtsame Umgang mit Feuerwerkskörpern löse vor allem viele kleine Brände aus. „Zum Anstoßen um Mitternacht reicht es manchmal noch, aber dann geht es auch schon los.“ In den ersten Stunden des Jahres 2011 war es besonders schlimm. Insgesamt 99-mal mussten die Wehren ausrücken, um Feuer in Müll-, Altkleider- oder Papiercontainern, auf Balkonen, in Wohnungen, Fluren oder Kellern zu löschen. Mancher freiwillige Helfer kehrte gar nicht mehr zum Feiern ins Gerätehaus zurück. Viele blieben gleich auf der Straße, um von einem Einsatz zum nächsten zu fahren. Im Jahr zuvor war es mit 55 Einsätzen dagegen recht ruhig zugegangen.


Es ist eine tolle Leistung der Freiwilligen Feuerwehren“, lobt Feichtenschlager. Zwar verfügt die Berufswehr in Hannover über insgesamt 550 Einsatzkräfte. Davon sind im Schichtdienst an 365 Tagen im Jahr immer 88 rund um die Uhr im Einsatz. Aber gerade an Tagen wie Silvester ist die Arbeit ohne die freiwilligen Helfer nicht zu schaffen – es sei denn, die Stadt verpflichtet zusätzliche Kräfte der Berufswehr zum Dienst und bezahlt sie dafür. „Das kann die Stadt sich aber gar nicht leisten“, sagt der Feuerwehrsprecher. Und so stehen Jahr für Jahr an Silvester von den rund 620 aktiven Mitgliedern der 17 Freiwilligen Feuerwehren etwa 125 Feuerwehrleute aus elf Wehren bereit, um die Kollegen von der Berufswehr zu unterstützen.


Carsten Witte, Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Buchholz, hat sich längst daran gewöhnt, bei mancher Silvesterfeier sprichwörtlich auf dem Trockenen zu sitzen. Alle drei Jahre hat ein Teil der 45 aktiven Mitglieder um den Jahreswechsel Bereitschaft. Gefeiert wird trotzdem – im Gerätehaus, damit im Notfall keine Zeit durch Anfahrten verloren geht. Für die diensthabenden Feuerwehrleute gibt es dann Wasser, Sprudel und Saft statt Sekt, Wein und Bier. Bei den anderen 16 Wehren geht es ähnlich zu. Lindens Ortsbrandmeister Walter Matthias nimmt es mit Humor. „Wir können auch ohne Alkohol ganz lustig sein“, sagt er schmunzelnd.


Gar nicht lustig findet Lindens Ortsbrandmeister dagegen das Verhalten mancher Zeitgenossen, die allzu sorglos mit Böllern und Raketen umgehen. Einmal hätten Knaller nicht nur einen Container in Brand gesetzt, erzählt Matthias. Als die Feuerwehr kam, hatten sich die Flammen bereits auf dem gesamten Containerstellplatz ausgebreitet und auch einen Baum erfasst. „Man darf den Funkenflug nicht unterschätzen“, warnt er. Auch der Ortsbrandmeister von Buchholz erinnert sich an einen Einsatz, der ihn nur noch verständnislos staunen ließ. In Isernhagen-Süd hatte jemand einen Feuerwerkskörper in einen Baum geworfen. Die Flammen seien wie aus einem Schornstein aus dem Stamm herausgeschossen, erzählt Witte.


Wenn es in den frühen Morgenstunden des neuen Jahres in der Stadt ruhiger wird, kann auch der Bereitschaftsdienst der Freiwilligen Feuerwehr ein Schlückchen Sekt auf das neue Jahr trinken. „Danach geht es dann aber gleich nach Hause“, sagt Witte. Eines aber ist gewiss: Das nächste Silvester dürfen sie wieder richtig mitfeiern – dann sind andere dran.


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